In den letzten Jahren beobachten wir etwas, das man durchaus als modernen „Gold-Squeeze“ seitens der Zentralbanken bezeichnen kann: Immer mehr Notenbanken horten Gold in einem Tempo, das den Markt spürbar beeinflusst. Die Weltorganisation für Gold („World Gold Council“) meldet, dass Zentralbanken allein im Jahr 2024 rund 1.045 Tonnen Gold zu ihren Reserven hinzugefügt haben. Auch in den ersten Quartalen 2025 setzt sich dieser Trend fort.
Der Hintergrund ist vielschichtig. Einer der zentralen Treiber ist die zunehmende Sorge über geopolitische Spannungen, Sanktionen und die Abhängigkeit vom US-Dollar. Immer mehr Zentralbanken wollen ihre Devisenreserven diversifizieren, um sich gegen Währungsrisiken und das sogenannte „System-Risiko“ abzusichern. Gold erscheint hier als souveräne Alternative, weil es nicht einfach eingefroren werden kann wie Forderungen auf Fremdwährungen.
Hinzu kommt eine strategische Neuausrichtung: Laut Umfragen planen viele Zentralbanken, ihren Goldanteil in den kommenden Jahren weiter zu erhöhen. Im Gold-Reserve-Survey 2025 des World Gold Council gaben 95 % der befragten Reserve-Manager an, dass sie mit einer steigenden globalen Goldreserve rechnen, und 43 % wollen sogar ihre eigenen Bestände ausbauen. Diese langfristige Ausrichtung zeigt, dass es sich nicht um eine kurzfristige Mode handelt, sondern um eine strategische Neupositionierung in den Währungsreserven.
Ein anhaltender Kaufansturm der Zentralbanken führt zu einem deutlichen Gold-Squeeze, der den gesamten Markt spürbar verändert. Da Notenbanken große Mengen physischen Goldes aufnehmen, wird das Angebot knapp, was die Preise zusätzlich antreibt und die Verfügbarkeit für Privatanleger einschränkt. Gleichzeitig wirkt die Nachfrage der Zentralbanken nahezu preisunempfindlich, da sie Gold nicht für kurzfristige Gewinne, sondern als strategische Reserve halten. Dadurch entsteht eine dauerhaft hohe Bewertungszone, an der sich auch andere Investoren orientieren.
Zudem wächst das Misstrauen gegenüber Papier-Gold, wenn deutlich wird, dass physisches Metall knapp ist. Immer mehr Anleger könnten daher echtes Gold bevorzugen, was die Kluft zwischen physischem und papierbasiertem Gold weiter vergrößert. Für Investoren bedeutet dieser Squeeze einen grundlegenden Wandel: Gold entwickelt sich erneut zu einem zentralen Reserve-Asset, das nicht nur vor Krisen schützt, sondern auch von globalen strukturellen Trends profitiert.
Dennoch bleibt Vorsicht geboten, denn ein Squeeze führt nicht zwangsläufig zu stetig steigenden Preisen. Volatilität bleibt möglich, wenn sich Marktpositionen verschieben oder zusätzliches Angebot aus der Minenproduktion kommt. Wer in Gold investiert, sollte daher einen klaren Plan haben, sowohl hinsichtlich des Anteils im Portfolio als auch des eigenen Zeithorizonts.
Für Anleger heißt das: Gold spielt langfristig eine fundamentale Rolle. Wer heute in Gold investiert, setzt nicht nur auf steigende Preise, sondern auf Teilhabe an einem globalen Shift in der Zentralbankpolitik.